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Die Zauderer vom Bodensee

Nachdem der Pferdehändler Ulrich Kesselring aus Hefenhofen TG Anfang dieser Woche in Gewahrsam gesetzt und seine Tiere fremdplatziert wurden, rücken Kantonstierarzt Paul Witzig und Regierungsrat Walter Schönholzer in den Fokus des Interesses. Ihnen wird Untätigkeit vorgeworfen: Sie schauten dem Treiben des Tierquälers jahrlang zu.

Das Leiden auf dem Hof von Ulrich Kesselring hat ein Ende: Gestern Nachmittag fuhr die Polizei vor und beschlagnahmt alle 250 Tiere. Den Bauern hatte sie zuvor in Gewahrsam genommen. Er erhielt ein absolutes Tierhalteverbot.

An der anschliessenden Medienkonferenz versuchten die Thurgauer Behörden, ihr langes Zuwarten zu rechtfertigen: Seit eine Insiderin Anzeige erstattete, verstrichen beinahe zwei Wochen – erst fünf Tage, nachdem dann der „Blick“ Schockbilder veröffentlicht hatte, legten sie Kesselring das Handwerk. „Wir mussten zunächst sicher sein, dass das Bildmaterial authentisch ist“, sagte der zuständige Regierungsrat Walter Schönholzer (Mitte) gemäss „Blick“. „Als dann die Taskforce zusammengekommen ist, haben wir uns entschieden, mit aller Konsequenz einzuschreiten.“ Dies allerdings erst, nachdem der mediale und der öffentliche Druck immer stärker wurden und es am Wochenende zu Mahnwachen sowie Demonstrationen vor dem Hof und vor dem Regierungsratsgebäude in Frauenfeld kam.

Schönholzer betonte, man habe schon vor drei Jahren reagiert: „Wir haben bereits im Jahr 2014 ein totales Tierhalteverbot erlassen. Das ist leider wegen eines Verfahrensfehlers vom Bundesgericht aufgehoben worden.“ Kesselring war schon Jahre zuvor immer wieder negativ aufgefallen.

Weil sich Kantonstierarzt Paul Witzig (links) wegen früherer Drohungen nicht mehr zu Kesselring traute, mussten externe Kontrolleure dafür abgestellt werden, berichtet der „Blick“. Dies geschah jeweils nach mehrtägiger Voranmeldung. Genügend Zeit für Kesselring also, um Kadaver und abgemagerte Tiere verschwinden zu lassen.

Witzig und sein Vorgesetzter Schönholzer schlossen mögliche Rücktritte auf Anfrage des „Blicks“ aus. Dies wurde nach Bekanntwerden der neusten Quälvorwürfe tausendfach gefordert. Tierschützer werfen den beiden vor, nicht schnell genug vorgegangen zu sein. Kritisiert werden sie auch, weil das Tierhalteverbot von 2014 gegen den Quäler wegen eines Behördenfehlers ohne Wirkung blieb und dem Amt offenbar keinen Anlass gab, genauer hinzuschauen.