Bahnhofstrasse 8
9001 St. Gallen
Tel. +41 (0)71 272 80 50
Fax. +41 (0)71 272 80 51
leader@metrocomm.ch
www.metrocomm.ch

Motivation sorgt für Integration

Zum 20-Jahre-Jubiläum veranstaltete die Bischofszeller Kompass-Arbeitsintegration am Donnerstagabend, 3. Mai, erstmals ein Netzwerkforum für Wirtschaft und Arbeitsintegration. Führungskräfte diskutierten die Frage, wie Arbeitssuchende motiviert und integriert werden können.

Als grösste Fleischverarbeiterin der Schweiz ist Micarna jeden Tag auf topmotivierte Mitarbeiter angewiesen. CEO Albert Baumann (Bild( verriet in seinem Impulsreferat am Kompass-Forum im Bischofszeller Gewerbepark «Papieri», wie ihm das gelingt: «Schon Gottlieb Duttweiler betonte: ‹Wer Leistung will, muss Sinn bieten.› Dieses Credo nehmen wir uns zu Herzen.» Arbeit solle Spass machen, indem gute Leistungen belohnt und Erfolge gemeinsam gefeiert werden. Am wichtigsten sei aber, dass die Vorgesetzten als Vorbild vorangehen und mit allen Mitarbeitern einen respektvollen Umgang pflegen.

Motivation zur Kultur machen
Albert Baumann und sein Team haben verschiedene Programme lanciert, um Mitarbeiter optimal ins Unternehmen zu integrieren: Beim Projekt «Mazubi» erhalten Lernende die Gelegenheit, ihre eigene Firma zu führen und dabei schon früh Verantwortung zu übernehmen. Vor zwei Jahren initiierte Micarna das Projekt «Maflü», das zehn bis 15 Flüchtlingen eine Ausbildung und damit Perspektiven bietet. Das neueste Projekt nennt sich «Merfa» und soll Menschen mit Erfahrung ein flexibles und angenehmes Arbeitsumfeld bieten – sogar über die Pensionierung hinaus. «Wenn die Leute merken, dass man an sie und ihre spezielle Situation denkt, sind sie automatisch motivierter», sagte Baumann. «So wird Motivation zu einem Teil der Unternehmenskultur.»

Innovativ bleiben
In der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Kompass-Präsident Roman Salzmann standen die aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt im Fokus: Marcel Wermuth, Experte für strategische Beschaffung bei der Bischofszeller Nahrungsmittel AG, war einst selber arbeitslos. Er fordert von der Wirtschaft ein Umdenken: «Heute muss ein neuer Mitarbeiter von Anfang an perfekt zu einem Job passen. Dabei gibt es viele Arbeitnehmer, die sich sehr gut einarbeiten könnten, wenn sie etwas Zeit bekommen.» Im Kompass werden Arbeitssuchende während maximal drei Monaten auf die Rückkehr in die Berufswelt vorbereitet. Geschäftsleitungsmitglied Joachim Brunnschweiler zeigte auf, wie wichtig es für ein Arbeitsintegrationsprogramm ist, innovativ zu bleiben. So habe man beispielsweise kürzlich eine Oldtimer-Werkstatt in Betrieb genommen: «Den Teilnehmern können wir damit eine sinnvolle, motivierende Arbeit bieten und sie gleichzeitig optimal vorbereiten.»

Drei Buchstaben als Erfolgsrezept
Patrick Bregenzer, der im Kanton St.Gallen schon früh das Arbeitsintegrationsprogramm «fit4job» lanciert hatte, betonte, es gehe in der Arbeitsintegration letztlich darum, dass sich die Arbeitssuchenden selber motivieren und wieder den Spass am Lernen entdecken. Die Leistung folge automatisch. Von den Verantwortlichen eines Arbeitsintegrationsprogramms sei deshalb die Fähigkeit zur emotionalen Begeisterung gefragt, ergänzte Kathrin Weber, die erst seit kurzem in der Arbeitsintegration tätig ist. Auf die abschliessende Frage von Roman Salzmann, welche drei Eigenschaften man denn mitbringen müsse, um beruflich erfolgreich zu sein, antwortete Micarna-Chef Albert Baumann: «Es sind sogar nur drei Buchstaben: tun!»

Weiteres Zeichen gesetzt
Daniel Wessner, Leiter des Thurgauer Amts für Wirtschaft und Arbeit, betonte in seiner Schlussrede, wie wertvoll es sei, sich über die täglichen Herausforderungen in der Arbeitsintegration auszutauschen und sich dabei selber motivieren zu lassen. «Es beeindruckt mich, dass der Verein Kompass das 20-Jahr-Jubiläum nicht nur dazu nutzt, sich auf die Schultern zu klopfen. Mit dem Kompass-Forum haben die Verantwortlichen vielmehr ein weiteres Zeichen gesetzt: Sie haben eine neue Plattform geschaffen, um den Austausch zu pflegen und sich weiter zu verbessern.»