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Regionale Wirtschaft im Hoch

Begünstigt durch die gute internationale Konjunkturentwicklung läuft der regionale Wirtschaftsmotor rund. Aber wie geht es weiter? Die zwei Komponenten des Konjunkturindex entwickeln sich gegenläufig: Während der aktuelle Geschäftsgang nach wie vor gut beurteilt wird, zeigen die Erwartungen bezüglich der zukünftigen Produktions- und Umsatzentwicklung nach unten. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der KOF/ETH.

Die internationale Konjunkturentwicklung verleiht der schweizerischen und der regionalen Wirtschaft Schub. Insbesondere die Exporte in die Länder der Eurozone erweisen sich einmal mehr als Zugpferd. Die hohen Drehzahlen des Industriemotors haben zu Kapazitätsengpässen geführt, die wiederum Investitionen in Maschinen und Personal nach sich gezogen haben. Die Bauwirtschaft der Region St.Gallen-Appenzell läuft ebenfalls gut und im Detailhandel zeichnet sich eine zögerliche Erholung ab.

Dämpfer im Euroraum, US-Wirtschaft mit Vollgas
Nach einem sehr guten letzten Jahr hat die Dynamik im Euro-Raum im ersten Halbjahr erheblich verloren. Mit einem Plus von 0.3% im zweiten Quartal hat die Euro-Zone das schwächste Wachstum seit zwei Jahren erzielt. Folgen dem Gespräch zwischen EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude-Juncker und US-Präsident Donald Trump auch Taten, könnte das sich positiv auf das Wachstum auswirken. Die US-Wirtschaft legte im zweiten Quartal um 4.1% zu, was der stärkste Anstieg seit vier Jahren ist. Die Stimmung in den USA ist auf breiter Basis gut. Die Unternehmen steigern ihre Produktion und die Konsumenten sind in Kauflaune. Dabei hat die Steuersenkung zumindest kurzfristig den Konjunkturaufschwung begünstigt. 

Inflation meldet sich zurück
Die Inflation zieht an, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Selbst in der Schweiz, in der sich die Inflation während Jahren unter der Nulllinie bewegte, ist die Jahresteuerung im Juli auf 1.2% angestiegen. Der Inflationsdruck in den USA hat die Teuerung sogar auf 2.9% ansteigen lassen und im Euro-Raum hat die Inflation 2.1% erreicht. Das ist der höchste Stand seit Dezember 2012. Damit liegen die Inflation sowohl in den USA als auch in der Eurozone über dem von den Zentralbanken definiertem Ziel. Am stärksten gestiegen sind allerdings die Energiepreise, deren Effekt rasch wieder nachlassen könnte. Andererseits deuten die boomenden Arbeitsmärkte auf zukünftig steigende Löhne hin und auch die neuen Zölle sorgen für höhere Konsumentenpreise.

Exportschub
Der grösste Schub ist einmal mehr den Auslandmärkten zu verdanken, legten doch die Exporte von Waren aus der Region St.Gallen-Appenzell im 2. Quartal um 6.3% zu. Dabei sind die Exporte in die Eurone um 12% gestiegen, während in die «übrige Welt» ein bescheidenes Plus von 1% resultierte. Weniger gut entwickelte sich der «Tourismusexport» in unserer Region. Während in der Schweiz die Logiernächte im ersten Halbjahr um 3.8% gewachsen sind, sind sie im Appenzell Ausserrhoden um 0.5% angestiegen, in Innerrhoden um 4% und in St.Gallen um -0.7% gesunken.

Regionale Industrie läuft rund
Tendenziell haben sich die exportorientierten und die grossen Industriebetriebe (über 200 Beschäftigte) besser entwickelt als die kleinen und auf den Binnenmarkt ausgerichteten Firmen. Ausgesprochen dynamisch entwickelt sich der hiesige Maschinenbau, der auf einer eigentlichen Erfolgswelle reitet. Gut stehen die konjunkturellen Zeichen auch in der Metallindustrie und in der Kunststoff- und Chemiebranche. Etwas beunruhigt sind die Elektrotechnik und die Textilindustrie. Beide Branchen sind mit dem Auftragsbestand nicht zufrieden. Die nächste Umfrage wird zeigen, ob es sich dabei um eine Wende oder nur ein Sommerloch handelt. In der Papier-, Druck- und Verlagsindustrie hat sich die Konjunktur stabilisiert und die Aussichten auf eine Erholung im zweiten Halbjahr sind intakt.

Bauwirtschaft floriert
Das Baugewerbe entwickelt sich auf hohem Niveau stabil. Die Bautätigkeit hat sich in den letzten Monaten in der Region St.Gallen-Appenzell kaum verändert und das dürfte auch in den kommenden Monaten so bleiben. Noch besser als im Bauhauptgewerbe laufen die Geschäfte im Ausbaugewerbe, bei dem zwei Drittel der Umfrageteilnehmer den Geschäftsgang als gut beurteilen und zuversichtlich auf die kommenden Monate vorausblicken.

Detailhandel erholt sich zögerlich
Im zweiten Quartal hat sich die konjunkturelle Lage in den Detailhandelsgeschäften der Region St.Gallen-Appenzell etwas verbessert. Sowohl die Geschäftslage als auch die Ertragssituation haben sich leicht aufgehellt. Hingegen verzeichnete der Index der Konsumentenstimmung im Juli spürbare Einbussen. Unter der schlechteren Stimmung der Konsumenten haben der aktuelle Umsatz und die Zuversicht der Detailhändler bisher allerdings nicht gelitten.

Steht ein Abschwung bevor?
Der Konjunkturindex für die Region St.Gallen-Appenzell hat im Januar 2018 seinen Höhepunkt erreicht und tendiert seither seitwärts. Dabei setzt sich der Konjunkturindex aus zwei Komponenten zusammen: Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage einerseits und die Produktions- bzw. Umsatzaussichten andrerseits. Interessant dabei ist, dass sich die Geschäftslage seit Januar 2017 trendmässig verbessert, während die Umsatzerwartungen für die kommenden sechs Monate seit Januar 2018 nach unten zeigen. Werden die Erwartungen der Umfrageteilnehmer Realität, dann wird sich gegen Ende des Jahres auch die Geschäftslage eintrüben. Verantwortlich für die gedämpften Erwartungen dürften die Befürchtungen um Handelskonflikte, die Unsicherheiten bezüglich der Beziehungen der Schweiz zur EU und andere aufkeimende Risiken sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Befürchtungen zum Opfer einer klugen Wirtschaftspolitik werden.