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Starrag stabilisiert sich

Der Rorschacherberger Werkzeugmaschinenhersteller Starrag hat in der ersten Jahreshälfte wieder mehr verdient. Der Reingewinn betrug 6,4 Millionen Franken, das ist mehr als doppelt soviel wie in der Vorjahresperiode (2,8 Millionen). Der Auftragseingang fiel allerdings um 39%.

Die Starrag Group aus Rorschacherberg verfügte Ende Juni 2017 über einen Auftragsbestand bei Neumaschinen von 284 Mio. Franken, nahezu unverändert zu Mitte Vorjahr. Gegenüber Ende 2016 entspricht dies mit einem Rückgang um 18 % einer Normalisierung. Das aktuelle Auftragspolster kommt damit einer Grundauslastung von annähernd einem Jahr gleich, zumal das Neumaschinengeschäft stets mit substanziellen zusätzlichen Kundendienstleistungen verbunden ist.

Volatiler Auftragseingang
Nach einem ausserordentlich starken Anstieg der Neubestellungen im ersten Halbjahr 2016 lag der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten 2017 mit 142 Mio. Franken um 39 % unter Vorjahr (währungsbereinigt -38 %). Dabei gilt es zu beachten, dass die Halbjahreszahlen stark vom Zeitpunkt des Kundenentscheids für Grossprojekte geprägt sein können. Stellt man aufgrund des längerfristigen Charakters des Anlagengeschäfts der Starrag Group auf die jüngsten zwölf Monate ab (Juli 2016 bis Juni 2017), ergibt sich ein Auftragseingang von 391 Mio. Franken, was gegenüber der vergleichbaren Vorperiode einem Rückgang um 5 % in lokalen Währungen entspricht.

Nach Regionen und Abnehmerindustrien
Nach Regionen verzeichneten im Berichtssemester sowohl Europa als auch vor allem Asien einen deutlichen Rückgang der Neubestellungen, während sich der Auftragseingang in Amerika halten konnte. Mit Blick auf die vier Abnehmerindustrien wiesen Aerospace und Energy einen rückläufigen Auftragseingang aus. Das gilt ebenso für Industrial, wobei sich das Luxussegment besser schlug als im Vorjahressemester. Transportation vermochte den Vorjahreswert zu halten.

Deutliche Umsatzsteigerung
Als Folge des ausserordentlich hohen Auftragseingangs 2016 und des damit sehr hohen Auftragsbestands anfangs Jahr übertraf der Umsatz der ersten sechs Monate 2017 von 202 Mio. Franken den Vorjahreswert um 10 % (währungsbereinigt plus 11 %).

Klar verbesserte Ertragswerte
Die zahlreichen Massnahmen zur Verbesserung der Profitabilität und operativen Exzellenz, verbunden mit der strategischen Fokussierung auf die wachstums- und ertragsstärksten Marktsegmente und Regionen, haben sich im Berichtssemester in einem erfreulichen Ausmass im Ertrag niedergeschlagen. So konnte das betriebliche Ergebnis EBIT gegenüber der Vorjahresperiode um 81 % auf 8.0 Mio. Franken annähernd verdoppelt werden, was einer operativen Marge von 4.0 % (2.4 %) entsprach. Der Reingewinn stieg um 133 % auf 6.4 Mio. Franken (Vorjahresperiode 2.8 Mio. Franken) oder 3.2 (1.5) Umsatzprozente und war positiv beeinflusst durch eine einmalige Steuergutschrift aus Vorjahren von 0.8 Mio. Franken. Pro Aktie betrug der Reingewinn 1.89 Franken (Vorjahressemester 0.78 Franken).

Solide Bilanz
Mit 328 Mio. Franken übertraf die Bilanzsumme am 30. Juni 2017 den Stand von Ende 2016 um 12 Mio. Franken. Die gegenüber Ende 2016 um 17.5 Mio. Franken erhöhte Nettoverschuldung von 36.2 Mio. Franken erklärt sich mit der Vorfinanzierung des höheren Bestands an Aufträgen in Arbeit. Mit 51.3 % (Ende 2016: 51.0 %) weist die Starrag Group eine anhaltend solide Eigenkapitalquote aus.

Neu nach Swiss GAAP FER
Wie früher angekündigt, wurde der Halbjahresabschluss 2017 erstmals unter Anwendung des Rechnungslegungsstandards Swiss GAAP FER erstellt. Die Werte für 2016 wurden deshalb entsprechend angepasst. Dieser Wechsel hat eine Reduktion der unter IFRS zunehmenden Komplexität und damit gleichzeitig eine Kostenreduktion zur Folge. Swiss GAAP FER ist ein anerkannter Rechnungslegungsstandard, der auf dem Prinzip „True and fair“ beruht. Er deckt die Bedürfnisse der Starrag Group vollumfänglich ab und vermittelt weiterhin ein genaues Bild der finanziellen Situation.

Konsequent fortgesetzte Umsetzung der Strategie
In der Berichtsperiode wurde die Umsetzung der „Strategie 2020“ gezielt vorangetrieben. Unter dem Stichwort Innovation differenziert sich die Starrag Group durch führende Anwendungskompetenz, was sie unter anderem an der nächsten EMO vom September in Hannover einmal mehr demonstrieren wird. Es sollen dort auch neue Anwendungen des im Sinn von „Industry 4.0“ etablierten Produktionssystems „Starrag Integrated Production System“ samt dazugehöriger Automationskonzepte sowie eine neue Generation von Werkzeugmaschinen vorgestellt werden. Die „Technology Days Precision Engineering“ vom Februar in Immendingen standen im Zeichen der Präsentation von neuen Hochpräzisionsmaschinen für die Medizintechnik und Mikromechanik.

Geografisch geniesst die Marktexpansion in den USA und China erste Priorität, dies vorab in den Abnehmerindustrien Aerospace, Industrial und Energy. Zudem hat die Gruppe das Händlernetz in Schlüsselmärkten systematisch ausgebaut und verstärkt.

Die weitere Verbesserung der operativen Exzellenz zielt namentlich auf die Steigerung der Leistungsfähigkeit des Kundendienstes ab. Dies äussert sich unter anderem mit dem in der Berichtsperiode neu eingeführten Produkt „Service Plus“, das an den diesjährigen „Turbine Technology Days“ vom Juli in Rorschach vorgestellt und mit grossem Interesse aufgenommen wurde. Das Servicepaket garantiert hohe Verfügbarkeit zum Festpreis und erleichtert dadurch dem Kunden auch die Kostenplanung. Mit der Einführung der Ein-Marken-Strategie konnte das „Go to market“ erheblich vereinfacht werden. Bei der Umsetzung wird darauf geachtet, dass bestehende Kundenzugänge zu den bisherigen Einzelmarken gewahrt bleiben und schrittweise auf die Marke „Starrag“ übertragen werden können.

Bezug der neuen Fabrik in Vuadens mit zahlreichen Vorteilen
Der Umzug der Produktion von den Standorten Genf und Sâles in die neue Fabrik in Vuadens wurde abgeschlossen. In der nach modernsten energetischen Standards errichteten Produktionsstätte mit einem „Null-CO2-Fussabdruck“ werden auf einer Fläche von 20‘000 m2 weiterhin ultrapräzise Werkzeugmaschinen für die Herstellung hochwertiger Bauteile hergestellt, dies nach modernsten Produktionsabläufen mit entsprechenden Produktivitätsgewinnen. Im Sinne einer langfristigen Planung wurde die Kapazität bewusst so dimensioniert, dass Raum für weiteres Wachstum bleibt, weshalb vorerst ein Teil der Fläche an andere Firmen vermietet werden soll. Der Verkaufsprozess der bisherigen Fabrik in Sâles ist im Gang. Zusammen mit den wegfallenden Infrastrukturkosten in Genf verfügt die Starrag Group am neuen Standort damit per Saldo über wesentlich mehr Produktionsfläche bei unveränderten Gesamtkosten.

Ausblick
Das wirtschaftliche und politische Umfeld bleibt unsicher, der Preisdruck hält generell an, und das Bestellverhalten der Kundschaft ist unverändert volatil. Mit der erwähnten Strategieumsetzung auf der Absatzseite hat die Starrag Group die nötigen Strukturen für ein nachhaltiges, profitables Wachstum mit Blick auf die Erreichung der mittelfristigen Ertragsziele geschaffen. Wie der Semesterausweis belegt, konnten in dieser Hinsicht bereits deutliche Fortschritte verbucht werden, wobei sich der volle Erfolg naturgemäss erst über mehrere Berichtsperioden einstellt.

Für das Gesamtjahr 2017 bestätigt die Starrag Group im Wesentlichen ihre im März kommunizierte Einschätzung. Beim Auftragseingang (in lokalen Währungen) wird im zweiten Halbjahr ein gegenüber den ersten sechs Monaten deutlich höherer Wert erwartet. Dennoch ist für das Gesamtjahr mit einem klar unter dem Vorjahreswert liegenden Auftragseingang zu rechnen. Der Umsatz (in lokalen Währungen) dagegen sollte das Vorjahr deutlich übertreffen. Dank der bereits erwähnten strategischen und operativen Massnahmen und nicht zuletzt dank der Ertragsfortschritte in den ersten sechs Monaten 2017, die sich im zweiten Halbjahr fortsetzen dürften, wird für das Gesamtjahr eine gegenüber 2016 deutlich höhere operative Marge erwartet.