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Wasser predigen und Wein trinken

Er war ein gefeierter Banker und machte die behäbige, kleine Raiffeisen zum drittgrössten Geldhaus der Schweiz. Doch nun läuft ein Verfahren der Finma gegen Pierin Vincenz. Sein System: Ausbau von Raiffeisen, in einer zweiten Phase mit einer Beteiligungsstrategie, die sich als wenig erfolgreich herausgestellt hat. Sein Nachfolger Patrik Gisel stösst die Beteiligungen eine nach der anderen wieder ab.

Pierin Vincenz kommt 1999 an die Macht, berichtet «srf.ch». Er übernimmt den Chefposten bei der kleinen Bauernbank Raiffeisen – einer Genossenschaft, bestehend aus gut 300 Kleinbanken, alle mit eigenen Chefs und Verwaltungsräten.

Kaum auf dem Chefsessel, gibt der Bündner Banker Gas, so srf.ch weiter: Er forciert vor allem das Geschäft mit den Hypotheken. Mit Erfolg: Heute ist Raiffeisen vor den beiden Riesen UBS und CS die Nummer 1 im Hypothekargeschäft. Entsprechend gewachsen ist auch die Bilanzsumme – Pierin Vincenz hat sie fast verdreifacht. Gut 200 Milliarden Franken schwer ist die Bilanz der Bank heute.

Doch das etwas biedere Genossenschaftsbanking war Vincenz offenbar nicht genug, findet srf.ch: Mit dem Kapital der Bank, also dem Geld der Genossenschaften, kaufte er kräftig ein. Anfang 2012 kaufte er einen Grossteil der strauchelnden St.Galler Privatbank Wegelin. Diese stand wegen krummer Geschäfte in den USA kurz vor dem Kollaps. Später taufte Vincenz den neuen Privatbankenableger der Raiffeisen um in Notenstein.

Eine weitere Akquisition war die Beteiligung von Raiffeisen an der Derivatefirma Leonteq, deren Präsidium Pierin Vincenz auch gleich übernahm. Auch dieses Geschäft, wie schon der Einstieg ins Private Banking, war ein gewagter Schritt. Beide Investitionen müssen heute als unglücklich bezeichnet werden, so srf.ch.

In der Öffentlichkeit pflegte Pierin Vincenz gerne das Bild der bescheidenen Raiffeisen. Im Wirtschaftsmagazin «ECO» etwa sagte er vor einigen Jahren: «Der gute Banker weiss immer auch, wo die Grenzen sind, und dass es eigentlich um Dienstleistungen für den Kunden geht – also Zahlungsverkehr, Finanzieren, Sparen und solche Sachen – und nicht für die Bank oder für sich selber.»

Doch Private Banking und Derivate waren gemäss srf.ch nicht genug: Raiffeisen beteiligt sich unter Vincenz auch an Informatik- und Investmentgesellschaften. Als Vincenz Raiffeisen verlässt, kauft er von mindestens einer Firma auch privat Anteile. Deswegen untersucht die Finanzmarktaufsicht Finma nun wegen Interessenkonflikten gegen ihn und gegen Raiffeisen. Das Verfahren läuft noch, es gilt die Unschuldsvermutung.